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Die Militärintervention von 1980 wurde von ihnen angestoßen, ebenso wie 1999 die Festnahme des PKK Vorsitzenden Abdullah Öcalan in Kenia und seine Übergabe an die Türkei.
Zugleich ist der Türkei auch Venezuela nicht fremd. Nach einem Bericht der New York Times, der sich auf amerikanische und venezolanische Quellen stützt, soll Trump Maduro vor einer Intervention vorgeschlagen haben, zurückzutreten und ins Exil in die Türkei zu gehen.
Warum die Türkei? Weil Maduro zu den Unterstützern Erdoğans gehörte. Nach dem Putschversuch gegen Erdoğan im Jahr 2016 war er einer der ersten Staatschefs, die im Präsidentenpalast anriefen. Er kam sogar nach Ankara. Als sich 2019 der Präsident des venezolanischen Parlaments selbst zum Staatspräsidenten erklärte, rief Erdoğan Maduro an und erklärte: „Bleib aufrecht, Bruder, wir stehen an deiner Seite.“
Eine „Solidarität der Autokraten“. Doch als Erdoğan diesmal einem stärkeren Autokraten gegenüberstand, wechselte er den „Bruder“ und schwieg zum jüngsten Umsturz. Das türkische Außenministerium rief alle Seiten zur Mäßigung auf. Ein hilfloser Ansatz, als würde man Fischer und Fisch gleichermaßen zur Zurückhaltung mahnen. Doch vermutlich trauerten über den Fall von Caracas vor allem jene, die im Drogenhandel tätig sind.
Der Mafiaführer Sedat Peker, der 2021 mit seinen Aussagen die türkische Politik erschütterte, hatte in einem auf YouTube veröffentlichten Video auf Venezuela hingewiesen. Seiner Darstellung zufolge gelangte Kokain früher über Kolumbien in die Türkei. Nachdem auf dieser Route jedoch fast fünf Tonnen Kokain beschlagnahmt worden waren, sei der Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten Binali Yıldırım nach Venezuela gereist, um eine neue Route zu eröffnen, außerhalb der Kontrolle der USA. Der Hafen von Caracas sei daraufhin als neuer Ausgangspunkt bestimmt worden.
Erkam Yıldırım erklärte zwar, er habe während der Pandemie medizinische Hilfskits nach Caracas gebracht, doch Zollunterlagen widersprachen dieser Darstellung. Die auffällige Zurückhaltung Ankaras nach der jüngsten amerikanischen Operation dürfte auch mit diesem Beziehungsgeflecht zu tun haben.
Erdoğan hatte mit dem Satz „Die Welt ist größer als fünf“ auf die Ungerechtigkeiten der Vereinten Nationen hingewiesen. Die jüngste Entwicklung zeigt jedoch, dass die Welt in Wahrheit kleiner ist als eins. Der Chefberater des Präsidenten, Cemil Ertem, musste seinen Tweet „Wir stehen an der Seite von Präsident Maduro gegen diese Banditen“ umgehend löschen. Ankaras Politik folgte den Interessen, nicht den Prinzipien. Ein vertrautes Bild in Europa.
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