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Gegen Uludağ werden wegen regierungskritischer Beiträge bis zu 19 Jahre Haft gefordert. In einem der ihm vorgeworfenen Beiträge hatte er geschrieben, Erdoğan habe den Rückhalt im Volk verloren und versuche nun, sich mit Hilfe des Staatsapparats gegen die eigene Bevölkerung an der Macht zu halten. In einem anderen hieß es: „Die Mafia hat nicht nur Mitglieder, sie hat auch ihre Politiker, Bürokraten, Richter, Staatsanwälte und Polizisten." Journalisten zu verhaften, schrieb er, sei für Staatsanwälte zum Hobby geworden, und das Gefängnis Silivri sei der „symbolische Ort des Erdoğan-Regimes".
Seit 75 Tagen sitzt er nun selbst dort, in einer Einzelzelle. Von seiner Zellentür aus blickt man auf den Hof eines anderen inhaftierten Journalisten, Merdan Yanardağ. „Wenn er auf dem Hof seine Runden dreht, kann man sehen, wie sich seine Gedanken in seinem Gesicht abzeichnen", schreibt Uludağ. Yanardağ war Eigentümer und Chefredakteur von TELE1, einem der letzten Sender in der Türkei, die noch furchtlos berichteten. Verhaftet wurde er mit dem Vorwurf, in einer Sendung den PKK-Anführer Abdullah Öcalan gelobt zu haben, eben jenen Öcalan, mit dem die Regierung derzeit einen Friedensprozess führt. Erst wurde dem Sender ein Regierungstreuhänder vorgesetzt, dann das gesamte Archiv gelöscht, schließlich beschlagnahmte das Palast-Regime den Sender und stellte ihn zum Verkauf. Noch ehe das Verfahren überhaupt begonnen hat, war damit ein oppositioneller Sender zum Schweigen gebracht. Bald dürfte der Sender als Rädchen in der Propagandamaschinerie der Regierung wieder auf Sendung gehen. Alican beschreibt Journalismus unter diesen Bedingungen wie, „die Wahrheit auf einem Minenfeld zu suchen". Pessimistisch ist er trotzdem nicht.
Sein Brief aus dem Gefängnis endet mit dem Satz: „Für Hoffnungslosigkeit ist kein Platz. Das Einzige, was man dem Klima der Angst entgegensetzen kann, ist, den Mut wachsen zu lassen und am Journalismus festzuhalten."
Trotz aller Hindernisse, aller Risiken, aller Gefahren geht unser Kampf um die Wahrheit weiter. Und er wird andauern.
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