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Das Magazin „Leman“, das in der Türkei als Inbegriff der politischen Satire gilt, traf es als eines der ersten: Die Verantwortlichen wurden festgenommen, Karikaturisten verhaftet, die Zeitschrift beschlagnahmt. Die Witze der Stand-up-Comedians wurden als „Beleidigung des Präsidenten“ gewertet. Die beiden bekanntesten Humoristen des Landes, Müjdat Gezen und Metin Akpınar, wurden Ende ihrer Siebziger aufgrund ihrer Äußerungen unter Polizeibegleitung vor Gericht gestellt und verurteilt. All dies führte zu einer in der Welt des Humors beispiellosen Selbstzensur. Comedians hielten sich nun entweder gänzlich aus der Politik heraus oder äußerten ihre Kritik in einem fast unverständlichen Tonfall. Die Angst erstickte den Humor, und die besten Comedians wandten sich, während das Land unter schwerem Druck stand, gewöhnlichen Alltagswitzen zu.
Diese Blockade durchbrach letzte Woche ein 32-jähriger Comedian aus Ankara. Deniz Göktaş sagte Anfang Juni bei seinem Auftritt auf der Harbiye-Bühne, dem angesagten Veranstaltungsort in Istanbul, mit großem Mut: „Der König ist nackt.“
In einem Umfeld, in dem die Menschen sich scheuen, Erdoğans Namen in den Mund zu nehmen, schilderte er dessen „Wandel von einem schüchternen Diktator zu einem Diktator, der mit seiner Identität im Reinen ist“. Doch nicht nur er: Viele politische Führer der Gegenwart, darunter auch Ekrem İmamoğlu, bekamen von Göktaş’ scharfzüngigen Kommentaren zu spüren. Göktaş platzierte als Kulisse für seine Ein-Mann-Show eine große Büste, die seinen eigenen abgetrennten Kopf symbolisierte, und spielte damit gewissermaßen auf das an, was ihm widerfahren könnte … Die Show wurde mit einer Mischung aus Gelächter, Staunen, Bewunderung und Besorgnis verfolgt. Die Show wurde in den ersten 24 Stunden nach ihrer Veröffentlichung letzte Woche eine Million Mal angesehen. Nach drei Tagen näherte sich diese Zahl fünf Millionen. Dies kann als riskanter Test der Toleranzgrenzen der Regierung angesehen werden. Aber es ist zugleich auch Ausdruck der Sehnsucht der Gesellschaft nach Künstlern, die ihrer Wut eine Stimme verleihen … Einmal mehr hat sich gezeigt, dass Humor die mutige Sprache schweigender Gesellschaften ist.
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