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Diese Zahlen bestätigen sich auf allen Ebenen, vom Sturm der Beleidigungen in den sozialen Medien bis hin zu Menschen, die auf der Straße bei jeder noch so geringen Gelegenheit ihrem Zorn freien Lauf lassen. Ich kann mich nicht erinnern, dass die Menschen in der Türkei jemals in eine derart heftige Spirale der Wut geraten wären. Abgesetzte Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, inhaftierte Journalistinnen und Journalisten, gescheiterte Politikerinnen und Politiker, die durch einen Handstreich übernommene wichtigste Oppositionspartei, sich von Tag zu Tag verschärfende Lebensbedingungen, steigende Preise, das Verschwinden der Gerechtigkeit und vor allem die Ohnmacht angesichts all dessen haben eine gesellschaftliche Anspannung und Erbitterung erzeugt. Dass die demokratischen Kanäle, über die man auf all dieses Unrecht und diese Armut reagieren könnte, verstopft sind, und dass der Palast als der eigentlich Verantwortliche für das Geschehen unantastbar bleibt, führt dazu, dass sich der Zorn auf die unwahrscheinlichsten Ziele richtet. Zwei davon will ich nennen:
Kemal Kılıçdaroğlu: Mithilfe von Erdoğans Justiz hat er sich die Führung der CHP angeeignet. Nachdem er lange Zeit nicht vor die Öffentlichkeit getreten war, machten ihn seine Äußerungen in einer Fernsehsendung vergangene Woche zur Zielscheibe der Wut.
Die Fußballnationalmannschaft, die bei der Weltmeisterschaft ausgeschieden ist. Mit großen Hoffnungen und begleitet von einer Propaganda, die ich im Newsletter der vergangenen Woche beschrieben habe, war sie in die USA gereist. Doch sie verlor beide Spiele, holte keinen einzigen Punkt und flog raus. Nur zwei Mannschaften verließen das Turnier, ohne ein einziges Tor zu schießen, die Türkei und Haiti. Trotz aller Investitionen, aller Hoffnungen und aller nationalistischen Lobreden versagten die Spieler, und das zerschlug auch den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Den Zorn bekamen nicht nur die Spieler zu spüren, sondern auch der Trainer und der Präsident des Fußballverbands.
Wenn sich diese angestaute Wut nicht an der Wahlurne entlädt und sich keine Tür zum ersehnten Wandel öffnet, wird sie früher oder später an unerwarteter Stelle explodieren.
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