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Es ist mein zehnter Dokumentarfilm im zehnten Jahr meines Lebens in Deutschland. Und es ist der fünfte Film unserer gemeinsam mit der DW produzierten Reihe „Guardians of Truth".
Doch er war auch einer der schwierigsten, aus mehreren Gründen. Was sich seit der Wahl Donald Trumps ereignet hat, in einen einzigen Dokumentarfilm zu fassen, grenzt ans Unmögliche. Die Ereignisse überschlugen sich nahezu täglich. Wir dokumentierten keine abgeschlossene Epoche, sondern einen laufenden, sich unablässig beschleunigenden Wandel. Hinzu kam ein ganz persönliches Hindernis: Meine Anwälte rieten mir dringend davon ab, in die Vereinigten Staaten zu reisen. Die Freundschaft zwischen Erdoğan und Trump könnte, so ihre Einschätzung, ein reales Auslieferungsrisiko begründen.
Also näherten wir uns „Trumps Amerika" von einer anderen, vielleicht unerwarteten Seite: über ein Phänomen, das in der öffentlichen Debatte bislang kaum Beachtung gefunden hat, nämlich das der amerikanischen Exilanten. Wir erzählen die Geschichte zweier Akademiker, die ihr Land unter dem wachsenden Druck des Autoritarismus verlassen mussten. Das politische Klima, das sie zur Flucht zwang, ist mir wohlvertraut, ich kenne es aus der Türkei nur zu gut. Die Dreharbeiten in den USA übernahm mein Co-Regisseur Demid Sheronkin.
Die Zuschauer werden in „Trumps Amerika" Zeuge einer modernen Hexenjagd. Sie werden sehen, wie Denunziantentum systematisch gefördert wird, wie Andersdenkende ins Visier geraten, wie gesellschaftliche Polarisierung zu tiefen Rissen führt und wie diese beängstigende Epidemie längst auch in Europa alte Dämonen weckt. Und ich hoffe, dass wir gemeinsam nicht nur diese Fragen stellen, sondern auch Antworten darauf finden, wie wir ihnen begegnen können.
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