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Zwei der genannten Mädchen tauchten bereits in der vor zwei Jahren veröffentlichten Anklageschrift namentlich auf. Eine der Frauen hatte angegeben, sie sei im Alter von 26 Jahren von Epstein vergewaltigt worden. Als sie Anzeige erstatten wollte, habe Epstein ihr gedroht, sie in ein mit Krokodilen gefülltes Wasserbecken zu werfen. Nach Darstellung von Epsteins Pilot soll diese Frau, die später selbst Teil des Systems wurde, in einigen Hotels in der Türkei unter dem Vorwand, Kinderdarsteller für Fernsehserien zu suchen, Castings organisiert und die ausgewählten Kinder auf Epsteins Insel gebracht haben.
In den zuletzt veröffentlichten Dokumenten taucht nun der Name eines weiteren Hotels auf: Rixos. Es ist jenes Hotel, in dem Erdoğan während seiner Zeit als Ministerpräsident seinen Urlaub verbrachte. Eigentümer ist der als regierungsnah geltende konservative Geschäftsmann und Medienunternehmer Fettah Tamince. Aus dem Schriftverkehr geht hervor, dass Epstein im Jahr 2017 einige der Opfer nach Antalya in das Rixos Hotel schickte, angeblich um eine Massageausbildung zu absolvieren. Diese Schulungen, organisiert von Tamince und zwei weiblichen Angestellten, seien „erfolgreich“ verlaufen. So schrieb Epstein in einer Dankesnachricht: „Diese Ausbildung hat mein Leben und ihres verändert.“
Aus einem weiteren Dokument erfahren wir, dass der Vorstandsvorsitzende der Hyatt Hotels, der amerikanische Geschäftsmann Thomas Pritzker, Epstein eine Notiz zukommen ließ, in der er ihm den damaligen türkischen Außenminister Ahmet Davutoğlu vorstellte. In der Notiz wird Davutoğlu als „ein Denker vom Typ Kissinger, ein Meister des Schachspiels“ beschrieben. Im Anschluss leitete Pritzker Epstein folgende Nachricht weiter: „Ich habe soeben eine E Mail von Davutoğlu erhalten. Er möchte, dass du Kontakt aufnimmst.“ Der Sprecher der von Davutoğlu geführten Zukunftspartei wies den Vorwurf eines Kontakts zurück.
Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der oppositionellen CHP hingegen erklärte: „Unter denen, die an dieser Abscheulichkeit beteiligt sind, befinden sich auch Politiker, Geschäftsleute und Bürokraten, die in der Türkei als angesehen gelten. Sehen das die Staatsanwälte nicht? Worauf wartet man noch, um unverzüglich ein Ermittlungsverfahren einzuleiten, die entsprechenden Unterlagen von der US Bundesstaatsanwaltschaft anzufordern und mit Festnahmen und Verhören zu beginnen?“
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