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Angesichts eines auf den Abgrund zurasenden Planeten zeigt der ohnmächtige Mensch den Reflex, sich von Berichterstattung abzuwenden. Eine sich konzentrierende, an die Macht anschmiegende, in Falschmeldungen verstrickte Medienlandschaft verliert ihre Glaubwürdigkeit. Zeitungen verlieren Leserschaft, Fernsehsender ihr Publikum. Die Jugend begegnet der Unwahrheit auf gänzlich neuen Plattformen. Wir Journalistinnen und Journalisten sind gezwungen, neue Wege zu finden, die Wahrheit hörbar zu machen.
In genau dieser Richtung ist ein bemerkenswerter Schritt unternommen worden: „TRUST“ – „Truth on Stage“ – ein neues europäisches Projekt. Es wurde ins Leben gerufen, um Menschen aus Medien und Theater zusammenzubringen und den Journalismus mit der Bühne zu verschränken.
„In einer Zeit, in der Desinformation, Polarisierung und ein wachsender Druck auf demokratische Institutionen intensiv spürbar sind, untersucht TRUST, wie Journalismus und Theater zusammenarbeiten können, um Geschichten von dringlicher Bedeutung auf die Bühne zu bringen.“
Das Projekt, das zehn führende europäische Theaterinstitutionen mit Medienpartnern zusammenführt, wird unter Federführung der Europäischen Theaterkonvention und des Schauspiel Köln durchgeführt. Aus dieser Zusammenarbeit entsteht eine neue künstlerische Form: das „journalistische Theater“.
Die Auftaktveranstaltung des Projekts fand am Welttheatertag in Köln statt. Journalistinnen und Journalisten sowie Theaterleute aus zehn europäischen Ländern feierten die Entstehung dieses neuen Mediums, stellten ihre Projekte vor und diskutierten neue Wege, Nachrichten zum Publikum zu bringen. Auch ich hatte die Ehre, bei dieser besonderen Zusammenkunft die Eröffnungsrede zu halten.
Medienpartner des Schauspiel Köln ist Correctiv, eine der führenden investigativen Journalismusorganisationen Deutschlands. Die von ihnen im vergangenen Jahr dokumentierte Recherche über das geheime Treffen der AfD in Potsdam wurde unter dem Titel „Rechtsextremer Geheimplan gegen Deutschland“ am Berliner Ensemble auf die Bühne gebracht und war ein großer Erfolg.
Nun stehen eine Reihe gewichtiger Recherchen bereit, in ganz Europa „inszeniert“ zu werden. Seien auch Sie bereit: Schon bald werden sich die Vorhänge zu Schlagzeilen öffnen.
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