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Nachdem ich das Menschenrechtsfilmfestival im vergangenen Jahr als Präsident geleitet hatte, versuchte ich in diesem Jahr als Jurymitglied beizutragen. Wir sahen uns sieben Dokumentarfilme an, die aus Dutzenden Einreichungen für den Willy-Brandt-Dokumentarfilmpreis ausgewählt worden waren.
Als Prof. Dr. Susanne Stürmer, Dr. Nicole Zabel-Wasmuth, Benita Bailey und ich uns vergangenen Montag zur Entscheidungsfindung trafen, war schnell klar, dass uns keine leichte Aufgabe bevorstand. Jeder einzelne Film auf unserer Liste besaß eine eigene, unverwechselbare Stärke. Die Details des Wettbewerbs finden sich auf der Website des Festivals, doch was mich am tiefsten berührte, war, dass ein Großteil der eingereichten Filme Frauen porträtierte, die in den verwundeten Regionen dieser Welt um ihre Existenz kämpfen:
Frauen in Nigeria, die trotz Boko Haram für das Recht ihrer Töchter auf Bildung eintreten. Frauen in Afghanistan, die gegen die Taliban um ihr bloßes Dasein ringen. Frauen in Uganda, die sich einem repressiven Regime widersetzen. Frauen in Gaza, die inmitten israelischer Besatzung ums Überleben kämpfen. Letztlich vergaben wir unseren Preis an zwei Filme, die genau diesen Frauen eine Stimme geben.
Die zweite Jurysitzung fand vier Tage nach der ersten im italienischen Perugia statt. Diese wunderbare Stadt, die jeden April Hunderte von Kolleginnen und Kollegen zu einem Journalismusfestival empfängt, ist zugleich Heimat des „European Press Prize”. Auch dort setzte sich die Jury aus Natalie Nougayrede, Clara Jimenez Cruz, Natalia Antelava, Paul Radu und mir zusammen. Wir prüften 25 auf der Shortlist stehende Texte, ausgewählt aus mehr als 200 Berichten, Analysen und Kommentaren aus allen Teilen Europas, und kürten „die Besten" unter ihnen. Was ich in der Dokumentarjury erlebt hatte, wiederholte sich:
Geschichten von Kindern, die im Krieg gezielt durch Kopfschüsse von Scharfschützen getötet worden waren. Von Familien, die auf ihrer Hoffnungsreise im Meer ertranken. Von jungen Menschen in einer besetzten Stadt, die gegen den Hunger ankämpfen. Zeugnisse des Widerstands gegen Korruption, Unterdrückung und wachsenden Autoritarismus. Nach stundenlangen Debatten versuchten wir, die schwierigen Entscheidungen zu treffen und „die Besten" herauszufiltern.
Wenn man nacheinander so viele in Filme und Artikel gegossene Schicksale betrachtet und liest, kann man leicht in Hoffnungslosigkeit angesichts des Laufs der Welt versinken. Doch diejenigen, die sich diesem Lauf widersetzen, verwandeln diese Hoffnungslosigkeit im nächsten Moment in Hoffnung. Gut, dass es sie gibt.
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