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Dass Präsident Erdoğans konservative Regierung dem Volk viel Vergnügen gönnte, lässt sich nicht behaupten. Doch wie er die Moscheen politisch nutzt, ist jedem bekannt. Die letzte Weltmeisterschaft bot ihm die Gelegenheit, auch den Fußball in den Dienst des Regimes zu stellen. Und das in einer Zeit, in der die Wirtschaft am Boden liegt …
Erdoğan, der selbst aus dem Fußball kommt, weiß, wie wirksam Stadien als Kontrollinstrument sind, und auch, wie gefährlich sie werden können, wenn sie außer Kontrolle geraten. Als die Revolte, die 2013 im Istanbuler Gezi Park begonnen hatte, sich unversehens zu einem großen Aufstand gegen ihn auswuchs, war eine seiner ersten Maßnahmen die Einführung des elektronischen Ticketsystems Pasolig, mit dem die Stadien kontrolliert werden sollten. So kam er an die Personendaten zorniger Fans wie der Beşiktaş Çarşı Gruppe, die den Aufstand angeführt hatte. Danach schuf er gegen die mächtigsten Fußballgrößen, Fenerbahçe, Galatasaray, Beşiktaş, seinen eigenen Verein Başakşehir und brachte ihn in die Süper Lig. Er trat zu Show Spielen an und sandte die Botschaft aus: „Die Plätze sind unter meiner Kontrolle.” Den Fußballverband hielt er fest im Griff. Und nun, anlässlich der Weltmeisterschaft, formt er die Nationalmannschaft zur „Mannschaft der Partei” um.
Die AKP hat vor der Weltmeisterschaft ein Werbevideo für die Nationalmannschaft produziert. Das Video der Partei wurde umgehend auch über den offiziellen Account der Mannschaft geteilt. Der Film, der dabei herauskam, glich weniger einem Aufruf zur Unterstützung des Teams als der Vorbereitung auf einen Krieg: Zwischen reichlich Bildern fahnenschwingender Fans waren Kampfflugzeuge, von einem Flugzeugträger startende Jets, abgefeuerte Raketen, Kommunikationssatelliten, eine Militärparade, sich auf einen Einsatz vorbereitende Soldaten und betende Fußballer eingestreut. Natürlich auch Bilder, die Erdoğan in der Uniform des „Oberbefehlshabers” beim militärischen Gruß und im Trikot von Başakşehir beim Torschuss zeigten … In dieser Form erinnerte der Film an einen Propagandastreifen, der die Rüstungsindustrie des Landes mithilfe des Fußballs bewirbt. Im Video tanzten die Spieler der Mannschaft, die 24 Jahre nicht an einer Weltmeisterschaft teilgenommen hatte, einen Halay und sangen: „Wir schreiben wieder Heldengeschichte.” Als das erste Spiel gegen Australien 2:0 ausging, brachen die Träume von der „Heldengeschichte” ein wenig in sich zusammen. Die Nationalmannschaft für Propaganda zu nutzen, wird, so scheint es, nicht ausreichen, um Erdoğans in den Umfragen abrutschende Partei zu retten.
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